"Der Beruf hat Sinn. Aber die Bedingungen müssen mithalten."

Mitarbeiterbindung in der Pflege beginnt bei der Führung

Der Personalmangel in der Pflege ist gut belegt. Das Statistische Bundesamt rechnet damit, dass der Bedarf bis 2049 auf 2,15 Millionen Pflegekräfte steigt. Je nach Szenario fehlen dann zwischen 280.000 und 690.000 Fachkräfte. Haupttreiber ist die Babyboomer-Generation, die in den kommenden Jahren in Rente geht. 

Weniger bekannt ist, dass viele dieser Fachkräfte dem Beruf nicht verloren sind. Sie sind ausgestiegen oder arbeiten in Teilzeit, und viele würden zurückkehren, wenn sich die Bedingungen ändern. Für Träger und Einrichtungen heißt das: Der größte Hebel liegt nicht allein im Recruiting, sondern darin, die Menschen zu halten, die schon da sind, und diejenigen zurückzugewinnen, die gegangen sind. Dafür braucht es Führung, die trägt, und Daten, die zeigen, wo sie es noch nicht tut. 

Das Potenzial steckt im Beruf selbst

Die Studie „Ich pflege wieder, wenn …” hat 2022 rund 12.700 ausgestiegene und in Teilzeit beschäftigte Pflegekräfte befragt. Das Ergebnis: Gut die Hälfte der Teilzeitkräfte und etwa 60 Prozent der Ausgestiegenen können sich vorstellen, ihre Stunden aufzustocken oder in den Beruf zurückzukehren. Hochgerechnet wären das mindestens 300.000 zusätzliche Vollzeitkräfte, in der optimistischen Rechnung sogar bis zu 660.000. 

Die Voraussetzung: bessere Arbeitsbedingungen. Die Befragten nannten vor allem eine Personaldecke, die sich am Bedarf der Pflegebedürftigen orientiert, und eine angemessene Bezahlung. Dazu kommen respektvolle Vorgesetzte und ein kollegialer Umgang zwischen den Berufsgruppen. Die Studienleitung fasst es so zusammen, dass diese Fachkräfte nicht von allein zurückkommen. 

Das ist das eine unbequeme und zugleich ermutigende Erkenntnis. Der Beruf verliert Menschen nicht, weil sie ihn nicht mehr wollen, sondern weil die Rahmenbedingungen sie zermürben. Einiges davon liegt außerhalb einzelner Hände, etwa die Refinanzierung. Anderes können die Verantwortlichen in der Einrichtung selbst gestalten.

Newsletter-Anmeldung

Lust auf mehr?

Die wichtigsten HR-Trends, Infos und Denkanstöße zu Themen wie Leadership, Engagement und People & Culture. Kein Spam, Abmeldung jederzeit mit einem Klick.

Was Pflegekräfte im Beruf hält

Das Bundesgesundheitsministerium hat die Ergebnisse einer Studie zur Arbeitsplatzsituation in der Pflege vorgestellt. Danach haben weiche Faktoren wie die Stimmung im Team, die Wertschätzung und der Führungsstil der Vorgesetzten häufig einen größeren Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit als Bezahlung und Sachleistungen. Gleichzeitig sah die Studie bei Führungsstil und Wertschätzung durch Vorgesetzte deutlichen Nachholbedarf. 

Die jährliche Umfrage „Pflege, wie geht es dir?” des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) bestätigt das Bild für 2026. Rund acht von zehn Befragten empfinden ihren Beruf als sinnstiftend, und 76 Prozent sind bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Zugleich sind 43 Prozent mit Führung und Management in ihrem Arbeitsbereich unzufrieden. 

Das ist ein klares Signal: Die Motivation ist da, an der Umsetzung im Alltag hapert es. Pflegekräfte wollen Verantwortung übernehmen und erleben trotzdem, dass sie bei Entscheidungen zu wenig mitreden und von Führung zu wenig Rückhalt bekommen.

Hohe Belastung macht gute Führung schwerer

Die Rahmenbedingungen erschweren gute Führung zusätzlich. Laut Techniker Krankenkasse waren Pflegekräfte 2024 im Schnitt 28,5 Tage krankgeschrieben, in der Altenpflege sogar 33,1 Tage. Über alle Beschäftigtengruppen lag der Wert bei 18,2 Tagen. Wo viele ausfallen, springen andere ein, und der Druck verteilt sich auf weniger Schultern. 

Pflegedienst- und Wohnbereichsleitungen stehen dabei in der Mitte. Sie halten den Dienstplan zusammen, begleiten Teams durch Belastungsspitzen und sollen gleichzeitig Bindung stärken, oft ohne verlässliche Daten darüber, wie es ihren Teams wirklich geht. Gute Absichten reichen dann nicht aus. Es braucht Informationen, die zeigen, wo sich Frust aufbaut, bevor jemand kündigt.

Vier Ansatzpunkte für Führung in der Pflege

01

Verlässlichkeit im Dienstplan

Wer ständig aus dem Frei geholt wird, plant sein Leben um die Einrichtung herum, und irgendwann hört er auf damit. Klare Regeln fürs Einspringen, ein sichtbarer Ausgleich dafür und Pläne, die rechtzeitig feststehen, schaffen Vertrauen.

02

Wertschätzung im Alltag

Gemeint ist nicht der jährliche Dankesbrief, sondern das kurze Feedback nach einer schwierigen Schicht, die Rückfrage nach einer belastenden Situation und die Anerkennung für Hilfe im Team. Das kostet wenig, wirkt aber täglich.

03

Beteiligung bei Veränderungen

Neue Abläufe, neue Dokumentation, neue Tourenplanung? Wer von Beginn an mitreden darf, trägt Entscheidungen eher mit. Wer erst nach dem Beschluss informiert wird, erlebt Veränderung als weitere Zumutung. 

04

Früh zuhören statt erst im Exit-Gespräch

Der Abschied einer Pflegekraft kommt selten überraschend, nur wird die Stimmung davor kaum erfasst. Regelmäßige, kurze Rückfragen zeigen, wo es kippt, und geben Führungskräften einen konkreten Anlass für ein Gespräch. 

Bindung messbar machen

Mitarbeiterbindung lässt sich nicht aus dem Bauch steuern, schon gar nicht in Einrichtungen mit mehreren Standorten, Schichten und Berufsgruppen. Ein Durchschnittswert verdeckt, dass ein Wohnbereich gut läuft und der nächste kurz vor dem Kippen steht. 

Mit Business Beat holst du dir die Stimmung deiner Mitarbeitenden in kurzen, anonymen Puls-Befragungen ein. Du siehst Trends statt Momentaufnahmen und erkennst früh, welche Teams Unterstützung brauchen. Maßnahmen lassen sich anschließend nachverfolgen, sodass sichtbar wird, ob sich etwas verändert hat. Deine Führungskräfte bekommen damit Daten für das Teamgespräch, statt sich auf ihr Gefühl zu verlassen. 

 

Apropos: Wie das in der Praxis aussieht, zeigen wir am 21. Oktober 2026 gemeinsam mit der Gesellschaft für Dienste im Alter im Praxis-Talk „Zukunftsfähige Führung in der Pflege – Datengestützte Mitarbeiterbindung in der GDA”. 

Fazit

Halten ist wirksamer als Nachbesetzen

Der Fachkräftemangel in der Pflege wird sich nicht allein durch neue Stellenanzeigen lösen. Die Zahlen zeigen, dass viele Menschen im Beruf bleiben oder zurückkehren würden, wenn Bedingungen, Wertschätzung und Führung stimmen. Genau dort kannst du ansetzen: bei verlässlichen Plänen, bei Beteiligung, bei Zuhören und bei Daten, die Führungskräften zeigen, wo sie gebraucht werden.

Erfahre am 21. Oktober im Praxis-Talk mit der Gesellschaft für Dienste im Alter, wie datengestützte Mitarbeiterbindung in der Pflege funktioniert.

Weitere Blogartikel durchstöbern:

100 % Lesefreude.

0 % Spam.

Logo Business Beat

Einmal im Monat: die wichtigsten Trends, Daten und Denkanstöße zu Leadership, Engagement und People & Culture.

HIER findest du unsere Datenschutzerklärung.

Logo Business Beat

Einmal im Monat: die wichtigsten Trends, Daten und Denkanstöße zu Leadership, Engagement und People & Culture.

HIER findest du unsere Datenschutzerklärung.

MANIFEST FÜR MUTIGE ARBEITGEBER

10 Prinzipien für die Arbeit der Zukunft

Cover des E-Books „Manifest für mutige Arbeitgeber 2026“

HIER findest du unsere Datenschutzerklärung.